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„Ich habe mir nie etwas für den Rückweg aufgespart“

 

 

von Mike Mahler

 

 

(Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Mike Mahler aus Magazine 162 vom 3.2.2009)


 

 

„Du willst wissen, wie ich es geschafft habe? Ich sage dir wie, Anton: Ich habe mir nie etwas für den Rückweg aufgespart.“ – Vincent in Gattaca (1997)


Einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist der Klassiker, Gattaca, eine Geschichte mit vielen Botschaften, die zum Nachdenken angeregt, wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Leider sehen sich die meisten Leuten den Film an und kehren dann zu ihrem untätigen und elenden Leben zurück. Ich bin immer über den Mangel an Inspiration erstaunt, den die Leuten an den Tag legen,  wo überall da draußen so viele beeindruckende Beispiele und Quellen der Inspiration für jeden greifbar sind. Aber sparen wir uns dies Geschimpfe für einen späteren Zeitpunkt auf….


Gattaca beschreibt eine Welt in der Zukunft, die von genetisch überlegenen Menschen beherrscht wird. Es geht nicht länger darum, welcher Rasse man angehört oder ob man reich ist, sondern darum, wer die besten Gene hat. Wenn man nicht mit den richtigen Genen für den gewünschten Beruf geboren wurde, hat man Null Chancen in diesem Beruf eine Stelle zu bekommen. Es spielt weder eine Rolle, wie hart man arbeitet oder welche anderen Anstrengungen man in dieser Hinsicht unternimmt- du wirst vollständig ausgeschlossen und musst dein Schicksal akzeptieren. Ironischerweise leiden in unserer Gesellschaft mehr Menschen an Selbst-Beschränkung, als an den Beschränkungen, die ihnen von der Gesellschaft aufgelegt werden.


Vincent Freemann (meisterhaft gespielt von Ethan Hawke) beschließt, dass er nicht gewillt ist diese erdrückenden gesellschaftlichen Beschränkungen zu akzeptieren und findet einen Weg, um seine Träume zu verwirklichen. Vincent´s Lebenstraum ist es in den Weltraum bereisen und er weigert sich, sich geschlagen zu geben. Er nimmt die Identität von Jerome Morrow (Jude Law) an, der das notwendige genetische Profil hat und bereit ist, es zu verkaufen. Jerome sitzt im Rollstuhl, hat seine Lebensfreunde verloren und ist deshalb nicht länger an den Vorteilen seiner überlegenen Erbanlagen interessiert.


Gattaca hat eine Menge starker Szenen und Fans wissen, dass die stärkste Szene von allen die Schwimm-Szene ist. Vincent hat einen Bruder, Anton, der genetisch, sowohl körperlich als auch geistig, überlegen ist; allerdings, da er mit seinen Begabungen geboren wurde, hat er weder Vincent´s mentale Stärke, noch seine Fähigkeit zum strategischen Denken entwickelt.


In der Zeit, in der sie zusammen aufwachsen, machen sie Wettkämpfe miteinander, wer von ihnen am weitesten hinaus ins Meer schwimmen kann. Mit seinen genetisch überlegenen körperlichen Anlagen gewinnt Anton immer;  Vincent jedoch entwickelt, während er heranwächst, human spirit („menschlichen Geist“ , „menschliche Tatkraft/Mut“), eine Eigenschaft mit der niemand geboren wird, sondern die durch Erdulden und Beharrlichkeit geformt wird, und dies sind Dinge von denen Anton, dessen Begabungen genetisch sind, nichts weiß.


Als Erwachsene messen sie sich noch einmal im Wettschwimmen und dieses Mal, zu Anton´s Erstaunen—gewinnt Vincent. Anton, total verblüfft, fragt Vincent, wie er das gemacht hat. Vincent antwortet: „Ich habe gewonnen, weil ich mir nie etwas für den Rückweg aufgespart habe.“ Obwohl genetisch überlegen, ist Anton dennoch Sklave seiner Erbanlagen, Vincent gewinnt, indem er über seine Erbanlagen hinauswächst. Anton´s genetischer Aktivposten wird auf diese Weise zum Passivposten, der ihn den Schwimmwettkampf verlieren lässt. Vincent, der sein ganzes Leben lang mit aufgezwungenen Beschränkungen fertig werden musste, lässt niemals zu, dass institutionalisierte gesellschaftliche Regeln ihn zurückhalten.


Mit Schwächen geboren, hat er sein Leben damit verbracht die Schwächen zu überwinden und gibt niemals auf. In den Weltraum zu reisen, wird zu seiner Besessenheit – so wie du von deinen Zielen besessen sein musst, um hervorragende Leistungen zu erreichen.

 

Hinauszuschwimmen, ohne sich Gedanken zu machen, wie man wieder zurück ans Ufer kommt, ist ein Bild dafür, seine Träume ohne einen Rückzugsplan zu verfolgen. Zu viele Leuten scheiden, bevor sie überhaupt ernsthaft anfangen, schon freiwillig aus, weil sie sich sagen, wenn meine Traumkarriere kein Erfolg wird, dann kann ich ja was anderes machen.

 

Ist das auch deine Denkweise? Falls ja, mache dir keine Gedanken über deine Traumlaufbahn, deine Chance ist bereits vertan. Wie der weise Stratege für Kriegsführung Sun Tzu schrieb: „Der Gewinner und der Verlierer eines Kampfes stehen bereits fest, bevor der Kampf beginnt.“ Wenn du deinen Ersatzjob bereits in der Tasche hast, für den Fall, dass deine Traumlaufbahn im Sande verläuft, ist dein Kampf bereits entschieden … und du hast verloren! Stattdessen musst du so extrem konzentriert auf das sein, was du willst, dass dir nicht einmal die Idee kommt, etwas anderes zu machen. Wenn keine Alternative da ist, kann sie dir auch nicht zum Hindernis werden. Ausreden sind unannehmbar. Dies ist eine Zeit, in der es hart auf hart geht und die, die nicht auf eine solche Hardcore Mentalität vorbereitet sind, werden zurückfallen und können sich auf ein Leben in selbstgemachter Mittelmäßigkeit vorbereiten.

 

Es gibt unendlich viele Ausflüchte und Überlegungen, warum jetzt nicht die richtige Zeit ist. Es gibt zahllose Leute, die dich als unrealistisch bezeichnen werden. Es gibt endlose Zeiten in denen dich niemand motiviert, weiterzumachen; Du musst auf dich selbst verlassen. Und was soll´s? Ist das was Neues? Es spielt keine Rolle, ob sie klein oder groß sind, Ausreden sind Ausreden. Du kannst dich für die Wahrheit bei mir bedanken: Du – und nur du- hast dein Leben in der Hand. Versagen ist immer ausschließlich dein eigener Fehler. Mit einer ehrlichen Selbsteinschätzung kommt Freiheit und du hast die Freiheit dein Leben zu ändern…wenn du bereit bist, den Preis dafür zu bezahlen. Bist du bereit den Preis zu zahlen?

 

Ich höre die Leute bereits sagen, dass nur weil man etwas ganz stark will- und sogar hart dafür arbeitet, es zu bekommen- heißt das ja nicht, dass man es auch erhält. Obwohl das wahr sein kann, haben sie die Sache nicht verstanden. Echter Erfolg kommt nicht daher, dass man ein vorgegebenes Ziel erreicht, sondern dadurch, dass man sich auf dem Weg dorthin  weiterentwickelt. Das ist etwas, dass dir niemand mehr nehmen kann. Vincent´s Sieg bestand nicht darin, Anton bei dem Wettschwimmen zu schlagen, nein, es war der Mensch, der er auf dem Weg dorthin geworden war.

 

Bist du bereit so weit hinauszuschwimmen, ohne dir Gedanken darüber zu machen, wie du wieder zurückkommst?

 

Lebe dein Leben tatkräftig

Mike Mahler