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RKC Budapest Okt 08
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RKC Okt 2008 in Budapest zusammengefasst in wenigen Worten:

 

„Eine Menge großartiger Leute, ein umfassendes, fundiertes Wissen; hart, (heraus-)fordernd, an die Grenzen gehend, immer jedoch mit Respekt und Herz, eine einzigartige Erfahrung.“

 

 

Der RKC (Russian Kettlebell Challenge/Certification) dauert drei Tage und die Durchfallquote beträgt in der Regel 20% - 30%.


Pavel Tsatsouline ist diesmal nicht dabei, dafür zwei seiner RKC Toptrainer (beide Master-RKC): Andrea DuCane und Brett Jones, den ich schon vom Functional Movement Screen Seminar in Amsterdam kenne. Peter Lakatos, RKC-Teamleader Ungarn, ist für die Organisation in Ungarn verantwortlich. Der Kurs findet auf dem Gelände einer Polizeischule am westlichen Ende von Budapest statt, auch die Unterkünfte sind hier.

 

 

Unterrichtet und geprüft werden die sechs Grundtechniken: 

 

Swing, Turkish Get up, Clean, Military Press, Snatch und Front Squat.

 

Unsere Gruppe der angehenden RKCs besteht aus 28 Leuten.

 

 

 

Außer den zwei Trainern aus USA und Peter Lakatos sind noch 8 bis 10 weitere RKC-Trainer dabei, was dazu führt, dass man quasi die ganze Zeit einen Trainer zur Seite hat.


Snatch-Test

Der erste Test, um den RKC zu bestehen, ist der Snatch-Test. Die Regeln: z.B. für eine Frau (Alter bis 50 Jahre), Gewicht: 60 kg bis 70 kg: 64 Snatches mit der 12 kg KB oder 26 Snatches mit der 16 kg KB. Über 50 Jahre sind es noch 50 Snatches mit der 12 kg KB oder 20 mit der 16 kg KB.

 

 

Für einen Mann (Alter bis 50 Jahre), Gewicht 80 kg bis 90 kg: 64 Snatches mit der 24 kg KB. Über 50 Jahre sind es noch 52 Snatches.

 

Ein Handwechsel ohne Pause mit einem extra Schwung ist erlaubt. Die Summe, die man mit beiden Armen erreicht hat, wird zusammen gezählt. Ist der Arm nicht 100%ig durchgedrückt, wird die Kettlebell in die Endposition mit einem Press gebracht, der freie Arm auf dem Oberschenkel abgestürzt oder die Kettlebell irgendwo außer über dem Kopf „geparkt“, wird die Wiederholung nicht gezählt, was auch strikt so gehandhabt wird und bei den meisten von uns dazu führt, dass wir mehr Snatches machen müssen.

Beim Snatch-Test sind, außer Magnesia, keine Hilfsmittel erlaubt. Also keine Handschuhe oder abgeschnittene Socken für die Hände, keine Handgelenkschoner.

Außerhalb des Snatch-Tests ist ein Handschutz erlaubt und auch mehr als notwendig. Peter Lakatos hat dünne Baumwollhandschuh mitgebracht, von denen die „Fingerspitzen“ abgeschnitten werden. Ich opfere kurzerhand ein Paar meiner Socken, die sich in diesen drei Tagen sehr bewähren.

Trotz allem gibt es Leute, die selbst durch die Handschuh bluten. Gabriella (bereits RKC) mit der ich mir das Zimmer teile und die die ungarische Übersetzung macht, hat mit Verbinden manchmal alle Hände voll zu tun.

 

Der erste Tag:


Der Kurs beginnt um 9 Uhr, an diesem ersten Tag stehen außer dem Snatch-Test der Swing, Turkish Get Up und Clean auf dem Programm.

Das Wetter ist klasse. Nicht zu warm und nicht zu kalt, wir können draußen trainieren. Jeder sucht sich einen Partner, „A“ macht die Übung, „B“ korrigiert, falls nötig. Dann wird getauscht.


Es folgen Mini-Workouts und Korrekturübungen für die häufigsten Fehler. Die drei Trainer und die zahlreichen Co-Trainer patroullieren unablässig durch die Reihen, korrigieren, geben Hilfestellungen.

 

 

 

"Der Swing ist das Zentrum unseres Universums"

 

Getreu dem RKC-Motto: „Der Swing ist das Zentrum unseres Universums.“ piepst Brett´s Uhr in regelmäßigen Abständen und dann…: “It´s not me, it´s the watch: Swing-time!“ Wir unterbrechen das, was wir gerade tun, es sei denn wir sind sowieso gerade in einem Workout und die Gruppe macht 20 Swings. Das ist nicht viel, summiert sich aber im Verlaufe des Tages.

 

Um 17:30 Uhr ist Ende des Kettlebells-Teils, es folgt noch eine Stunde Übungen mit dem Foam-Roller, dann Abendessen und um 20 Uhr liege ich im Bett und bin auch heilfroh darüber.

 

Der zweite Tag: Military Press und Snatch nach demselben Übungsschema wie gestern, nur dass das Wetter schlecht ist und wir in der Halle sind und natürlich: regelmäßig „Swing-Time“.


 

Meine Snatch-Form verbessert sich zusehens. Es folgt ein Snatch-Workout:

8-9 Snatches in 15 Sekunden mit der linken Hand

 

15 Sekunden Pause

 

8-9 Snatches in 15 Sekunden mit der rechten Hand

15 Sekunden Pause

usw

 

30 Runden, das sind rund 8 Minuten und ca. 130 Snatches.

In einem Punkt haben die Trainer während des gesamten Kurses absolut keinen Humor und der Ton wird laut und sehr deutlich, nämlich dann, wenn es um die Sicherheit geht. Herumliegende Kettlebells, nicht weggeräumte Wasserflaschen und die gesamte Gruppe muss Swings machen. Die Zeit wird von den ohnehin schon seltenen 10 Minuten Pausen abgezogen.

 

Des Weiteren wird von einem während des gesamten Kurses erwartet, dass man seinen gesunden Menschenverstand auch in Bezug auf die eigene Sicherheit benutzt, d.h. wer zu erschöpft ist, um eine Übung in der korrekten Form auszuführen, geht zu einer leichteren Übungen über (von ein-Hand-Swing zu beid-Hand-Swing usw)

 

Abends (ich bin im Gegensatz zu gestern erstaunlich fit) geht es dann in die Innenstadt von Budapest, in ein „Mittelalter“-Restaurant. Gutes Essen, Bauchtänzerin, Feuerschlucker, lebende Ritter in Rüstung und Brett Jones wird offiziell zum Ritter geschlagen und trägt von nun an den Titel: „Sir Brett, the Brave.“ Ein gelungener Abend.

 

Dritter und letzter Tag: Wieder Regen und Training in der Halle. Der Front Squat steht noch auf dem Programm.

Danach sucht sich jeder einen anderen Partner und unterrichtet und korrigiert 10 Minuten lang eine Grundübung, die man vorgegeben bekommt, und zwar ohne Worte, nur das Vormachen der Übung, Körpersprache, Kopfschütteln für NEIN und das OKAY-Zeichen sind erlaubt. Das funktioniert erstaunlich gut und ist eine interessante Erfahrung.

 

Dann ist der Form-Test angesagt. Wir werden in Gruppen auf die drei Trainer verteilt und jeder muss einzeln dem Trainer ein paar Wiederholungen von jeder der sechs Grundübungen vorführen. Dann gibt es Feedback und auch hier bestehen, genau wie schon beim Snatch-Test, nicht alle.

 

Es besteht allerdings die Möglichkeit nach Absprache mit den Trainern innerhalb von drei Monaten ein Video mit dem Snatch- oder Formtest nachzuliefern und dann doch noch das Zertifikat zu erhalten.

 

Lehr-Test“.

  

Ich habe ja schon einiges an Kursen mitgemacht, aber was hier jetzt kommt, ist wirklich einzigartig.

 

Mindestens achtundzwanzig Freiwillige, von außerhalb „eingeflogen“, die „Victims“ strömen in die Halle.

 

Kleine, Große, Dicke, Dünne. Leute mit so viel Übergewicht, dass es für drei Personen ausreichen würde. Junge Frauen, die so zerbrechlich wirken, dass man Angst hätte, ihnen eine 8-kg Kettlebell in die Hand zu drücken, Kampfsportler. Einmal quer durch alle Bevölkerungsschichten, alles, was einem Trainer so über den Weg laufen kann.

 

Gabriella, die den RKC im Mai gemacht hat, erzählt, sie hatte gleich zwei „Victims“: Einen Zuckerkranken mit Übergewicht und einen total steifen Bodybuilder.

 

Die Aufgabe lautet: kurzer Gesundheitscheck und dann 50 Minuten unterrichten der beiden Grundtechniken Swing und Turkish Get Up (eine letzte Ermahnung: „Wir wollen niemanden sehen, der seinem Klienten gleich zu Anfang beim TGU eine Kettlebell in die Hand drückt.“). Es folgen 5 Minuten Pause und dann den Klienten durch einen 10 Minuten Workout führen.

 

Ich bekomme Benjamin zugeteilt. Er ist Kampfsportler und hat schon mit Kettlebells trainiert. Seine Swings sehen auch schon sehr gut und ich frage mich im ersten Moment, was ich denn da 50 Minuten unterrichten soll und dann… vergeht die Zeit wie im Flug und mir fällt immer noch was ein….nach der kurzen Pause starte ich den Workout mit 5 halben TGUs rechts und links.

 

Zumindest war das der Plan. Bei der dritten Wiederholung sehe ich, dass Benjamin´s Kraft bereits zu stark nachlässt und reduziere die Wiederholungen auf drei. Es folgen Swings und dann ist auch dieser Test vorbei und bestanden.

 

Der letzte Test ist ein workout, der die meisten von uns bis an ihre Grenzen bringt.

 

Der Test, der die ganzen drei Tage sozusagen im Hintergrund mitgelaufen ist, betrifft die Sicherheit, und zwar sowohl deine eigene, als auch die der Menschen, die um dich herum sind oder mit denen du trainierst.

 

Dann versammeln wir frischgebackene uns RKCs uns in der Mitte der Halle, Dutzende von Händen werden übereinander gelegt und dann donnert: „RKC! RKC! RKC!“ durch die Halle.

 

Der RKC Budapest Oktober 2008 ist vorbei.

 

 

Adressen werden ausgetauscht und Brett Jones demonstriert, dass er zu Recht einer der elf Menschen in der Welt ist, die in der Lage sind, den Iron Mind´s Red Nail zur U-Form zu verbiegen.


Fazit: Ich verlasse den RKC mit einem großen Motivationsschub, neuen Kontakten und dem guten Gefühl, die Techniken, wenn auch noch nicht perfekt, doch so gut zu beherrschen, dass ich meine „Klienten“ sicher  unterrichten kann.